Schon der ungewohnte Tagesablauf machte diesen Sonntag zu etwas Besonderem: In der Nacht zuvor waren die Uhren auf Winterzeit umgestellt worden. Außerdem fand am Vormittag zur gewohnten Gottesdienstzeit ein besonderer Übertragungsgottesdienst für die Amtsträger statt. Der Gottesdienst für die Gemeinde wurde deshalb ausnahmsweise auf den frühen Abend um 18:00 Uhr verlegt. Durch die Zeitumstellung war es draußen bereits dunkel, als sich die Kirchentüren öffneten.
Schon auf dem Weg zur Kirche wurde deutlich, dass die Besucher etwas Außergewöhnliches erwartete. Kleine Lichter säumten den Weg zum Eingang und im Vorraum schienen Kerzen beinahe schwerelos von der Decke zu schweben. Auch das Kirchenschiff war liebevoll vorbereitet: Kerzen, Lichterketten und gezielt eingesetzte Strahler tauchten den Raum in ein warmes, festliches Licht. Es entstand eine ganz besondere Atmosphäre, die zum Innehalten, Nachdenken und zur Besinnung einlud.
Unter dem Bibelwort aus Johannes 3,16 begann Priester Daniel Eggers den Gottesdienst:
„Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.“
Unter der Überschrift „Gott gab seinen Sohn aus Liebe“ stand die zentrale Botschaft des Abends: Jesus Christus ist das Licht der Welt. So wie wir im Alltag Licht benötigen, um unseren Weg zu erkennen, Sicherheit zu erfahren und uns vor Gefahren zu schützen, brauchen wir auch im übertragenen Sinne Licht für unser Leben. Gerade in Zeiten, die von Sorgen, Ängsten, Unsicherheiten oder persönlichen Konflikten geprägt sind, möchte Jesus Christus Orientierung und Hoffnung schenken. Er ist das Licht, das uns in der Gegenwart begleitet, den Weg in die Zukunft erhellt und uns auch rückblickend erkennen lässt, wo er uns getragen und bewahrt hat.
Priester Sven Gieselmann unterstützte den Gottesdienst mit einem zweiten Predigtteil. Dabei wurde auch der Gedanke aufgegriffen, dass Jesus nicht nur unser eigenes Leben erhellen möchte. Er hat jedem Menschen ein Licht anvertraut, das weitergegeben werden darf. Mit den Worten Jesu aus der Bergpredigt wurde daran erinnert: „Ihr seid das Licht der Welt.“ Durch Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft und gute Werke können wir das Licht des Evangeliums in unseren Alltag tragen und anderen Menschen Hoffnung schenken.
Ein weiterer Schwerpunkt des Gottesdienstes war der Blick auf den bevorstehenden Entschlafenengottesdienst. Die Gemeinde wurde daran erinnert, dass das Licht Jesu Christi nicht an den Grenzen unseres irdischen Lebens endet. In der Fürbitte dürfen wir auch an jene Seelen denken, die während ihres Lebens möglicherweise nie mit dem Evangelium in Berührung gekommen sind oder das Licht Christi noch nicht erfahren konnten. Besonders bewegend war in diesem Zusammenhang die Erinnerung an den Sternenkinderbaum auf der Landesgartenschau in Bad Nenndorf. Dort hatten Eltern, deren Kinder vor, während oder kurz nach der Geburt verstorben waren, liebevoll gestaltete Steine an den Wurzeln eines Baumes abgelegt. Dieses Bild machte deutlich, wie groß die Liebe und Sehnsucht sein können, die Menschen mit ihren verstorbenen Kindern verbinden. Auch diese Seelen und alle Entschlafenen wurden in die Gedanken und Gebete der Gemeinde eingeschlossen.
Für einen besonders bewegenden Moment sorgte schließlich die musikalische Gestaltung. Der Chor berührte die Gottesdienstbesucher mit wundervollen Liedern. Auch einige Jugendliche beteiligten sich mit passenden Sprechtexten und verliehen dem Gottesdienst damit eine besondere Note.
Zum Abschluss wurden alle Besucher eingeladen, ihre am Eingang erhaltenen kleinen Lichter einzuschalten. Während eines besonderen Musikstücks konnten sie ihre Lichter nach vorne zum Altar bringen und dort ablegen – als persönliches Zeichen für die Seelen, an die sie denken und für die sie beten möchten. So wurde die Botschaft des Abends nicht nur hörbar und sichtbar, sondern für jeden Einzelnen auf ganz persönliche Weise erlebbar.
Dieser Lichtergottesdienst war ein außergewöhnliches und tief bewegendes Erlebnis. Die besondere Atmosphäre, die musikalischen Beiträge und die eindringlichen Gedanken über das Licht Jesu Christi berührten die Herzen der Gottesdienstbesucher. Wie intensiv die Stimmung in der Gemeinde wahrgenommen wurde, zeigte sich auch daran, dass selbst Zuschauer und Zuhörer an den Online-Übertragungsgeräten die besondere Atmosphäre spüren konnten.
Ein herzliches Dankeschön gilt allen Helferinnen und Helfern, die mit viel Engagement, Kreativität und Liebe zum Detail diesen besonderen Abend vorbereitet und möglich gemacht haben.
Neuapostolische Kirche