Apostel für weitere Ökumene-Gespräche

Für eine Weiterentwicklung des ökumenischen Dialogs mit anderen christlichen Konfessionen hat sich Apostel Volker Kühnle ausgesprochen. Der Apostel referierte auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen vor Hamelner Kirchenvertretern und 195 interessierten Zuhörern am Donnerstag, 9. Juni 2011, im Ökumenischen Zentrum in Hameln-Klein Berkel zum „Stand der Ökumene aus Sicht der Neuapostolischen Kirche“.

Seit 13 Jahren treffen sich jeweils am Donnerstag vor Pfingsten Christen aus Hameln und Umgebung, um den Stand des ökumenischen Dialogs aus Sicht einer Konfession zu beleuchten. Seit einigen Jahren ist die neuapostolische Kirchengemeinde Hameln Gastmitglied in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Hameln (ACKH). Dies nahm die ACKH zum Anlass, in diesem Jahr Apostel Volker Kühnle aus Stuttgart, Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Kontakte zu anderen Konfessionen und Religionen“ der Neuapostolischen Kirche International, einzuladen.

Apostel Kühnle ging in seinem Vortrag zunächst auf die Entstehung und Geschichte der Neuapostolischen Kirche (NAK) und ihr Selbstverständnis ein und beleuchtete dann den Weg der NAK aus einer selbstgewählten jahrzehntelangen Isolation hin zu einer ökumenischen Öffnung.

Der Apostel führte fünf Gründe an, die aus seiner Sicht für eine Fortführung und Weiterentwicklung des ökumenischen Dialogs mit anderen Konfessionen sprächen:

  1. Die NAK sei Teil der Kirche Christi und wolle deshalb ihren Platz inmitten der Kirche Christi selbstverständlich einnehmen und die „apostolische Stimme noch deutlicher hörbar werden lassen.“
  2. Die deutlich spürbare Tendenz der Zurückdrängung des Christentums weltweit und insbesondere in Europa sollte alle Christen auffordern und ermuntern, „im Sinne des Evangeliums zusammenzustehen und eher Gemeinsamkeiten als Trennendes zu suchen und zu fördern".
  3. Der Leitgedanke der ökumenischen Bewegung von der Einheit in versöhnter Verschiedenheit unter Wahrung der Identität der einzelnen Kirchen verbunden mit den Lehrentwicklungen innerhalb der NAK erleichtere, so der Apostel, „auch uns heute eine solche Beteiligung. Wir bekennen heute, dass alle in rite Getauften, die an Jesus Christus glauben und ihn als Herrn und Heiland bekennen, zur verborgenen Kirche Christi zählen.“
  4. Die nach wie vor bestehenden Lehrunterschiede schließen nach Ansicht des Apostels eine Beteiligung der NAK am ökumenischen Dialog keinesfalls aus. Volker Kühnle zeigte sich überzeugt, dass der vor dem Abschluss stehende Katechismus der NAK für die weiteren Gespräche eine solide Basis für die Erörterung der anstehenden Fragen biete und dass „am Ende die Übereinstimmung besteht, dass uns mit den anderen christlichen Kirchen auf der Grundlage des Evangeliums von Jesus Christus viel mehr verbindet als trennt.“
  5. Auch die ökumenische Bewegung sei „weiter auf dem Weg“. Gerade der Evangelische Kirchentag in Dresden habe bei aller Fröhlichkeit deutlich gemacht, dass es nach wie vor „extreme Spannungen in ganz zentralen Fragen zwischen evangelischen Christen einerseits und katholischen und orthodoxen Christen andererseits besonders hinsichtlich des Amtes und der Eucharistiefeier“ gebe. Bischöfe aller drei Kirchen hätten zu Geduld und Besonnenheit gerade auch in diesen theologisch äußerst bedeutsamen Fragen gemahnt. „In unseren Gesprächen erwarten wir nicht mehr und nicht weniger: Verständnis, Geduld und Besonnenheit. Dabei gehen wir davon aus, dass an uns keine anderen Anfragen gerichtet werden, als an ACK-Mitgliedskirchen“, sagte der Apostel.

Begonnen hatte die Veranstaltung mit einer von evangelischen und katholischen Geistlichen sowie einem sechsköpfigen Gesangsensemble der neuapostolischen Kirchengemeinde Hameln gestalteten Andacht und einem anschließenden gemeinsamen Abendessen.

Bereits am Nachmittag hatten sich Vertreter der ACKH und der NAK in der neuapostolischen Kirche in Hameln zu einem theologischen Gespräch getroffen, bei dem es um das Thema „Apostolizität“ ging. Unter den Teilnehmern waren unter anderem der Bischöfliche Beauftragte für Ökumene im Bistum Hildesheim, Prälat Dr. Nikolaus Wyrwoll, die Sekten- und Weltanschauungsbeauftragten der evangelischen Landeskirchen, Jürgen Schnare (Hannover) und Andrew Schäfer (Düsseldorf), Superintendent Philipp Meyer (evangelischer Kirchenkreis Hameln-Pyrmont), Hans-Georg Spangenberger (Pastoralreferent im katholischen Dekanat Hameln), Pastor Martin Hoffmann (evangelisch-reformierte Gemeinde), Pastor Ehrenfried Reichert (Baptisten-Gemeinde), Apostel Volker Kühnle, der theologische Berater des Stammapostels, Priester Dr. Reinhard Kiefer, Bezirksältester Klaus Meyer und Vertreter der neuapostolischen Gemeinde Hameln. Das Gespräch sei von gegenseitiger Achtung und Wertschätzung geprägt gewesen und in herzlicher und freundschaftlicher Atmosphäre verlaufen, berichtete der Hamelner Priester Dieter Hoffmann.

M.B.